Bis in die jüngste Zeit hinein wurde im Investitionsfall die Kaufentscheidung ausschließlich auf der Basis des Kaufpreises, d.h. mit dem Fokus auf Entwicklung und Herstellung, getroffen. In Zukunft wird diese Entscheidung verstärkt durch das Langzeitverhalten des Werkzeugs und die zu erwartenden Nutzungskosten beeinflusst werden. Die Kundenanforderungen an die Betriebsmittel umfassen somit neben den klassischen Forderungen, z. B. hohe Einsatzqualität, hohe Verfügbarkeit und niedriges Investitionsvolumen, zunehmend auch geringe Lebenszykluskosten. Die Betrachtung der Werkzeuge muss deshalb den gesamten technischen Lebenszyklus einbeziehen, von der Planung über die Herstellung und den Betrieb bis hin zur Entsorgung. Das Projekt hat zum Ziel, die Lebenszykluskosten von Werkzeugen und deren Einflussgrößen zu identifizieren und einer Prognose zugänglich zu machen.
Die Lebenszykluskosten umfassen die Gesamtkosten einer Werkzeuginvestition, die neben den herstellerseitigen Entstehungskosten insbesondere die in der Nutzungsphase anfallenden Einsatzkosten von Personal, Material, Energie und sonstigen Ressourcen für Betrieb, Bereitstellung und Instandhaltung beinhalten. Die bisher indirekt verrechneten Kosten wie Ausschuss und Nacharbeit sowie die Kosten aus der Nichtverfügbarkeit des Werkzeugs wie entgangener Gewinn oder Fremdbezugskosten finden Berücksichtigung.
Zudem entstehen in der Nachnutzungsphase Kosten für Anpassung, Demontage oder Entsorgung. Es können aber auch Verkaufserlöse erzielt werden, wenn sich Werkzeuge zum Beispiel im Automobilbereich zur Ersatzteilproduktion veräußern lassen. Die Kosten der Nachnutzungsphase sind deshalb nur schwer abschätzbar, jedoch ist damit zu rechnen, dass ihre Bedeutung in Zukunft aufgrund von Entsorgungs- und Rücknahmeverordnungen zunehmen wird.
Sichtbar ist im Investitionsfall nur der Kaufpreis - wesentliche Kostenblöcke bleiben bislang zu diesem Zeitpunkt verdeckt. Die Bedeutung der lebenszyklusgebundenen Kosten wird deutlich, wenn man berücksichtigt, dass die einsatzbedingten Kosten bei komplexen Werkzeugen die Einstandskosten um ein Vielfaches übersteigen können. Eine aus Unternehmensuntersuchungen des IPH stammende Kostenverteilung über den Lebenszyklus ist in der nachfolgenden Grafik dargestellt. Die Kosten der Nachnutzungsphase sind in der Abbildung aufgrund ihrer schwierigen Abschätzbarkeit nicht enthalten.
